BDI/BCG-Studie zur Circular Economy


Im Rahmen der IFAT 2026 wurde vergangene Woche die gemeinsame Studie von BDI und Boston Consulting Group (BCG) „Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz – Chancen der Circular Economy für die deutsche Industrie“ vorgestellt, an der sich auch textil+mode intensiv beteiligt hat. 

Die Studie analysiert die wirtschaftlichen Potenziale der Circular Economy in den fünf zentralen Industriebranchen Mobilität, Maschinenbau, Bauwesen, Energie und Textil und betrachtet Kreislaufwirtschaft dabei ausdrücklich aus einer industriepolitischen und wirtschaftspolitischen Perspektive, insbesondere mit Blick auf Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und Versorgungssicherheit. Im Fokus stehen ausschließlich Kreislaufhebel und Geschäftsmodelle, die bereits heute wirtschaftlich tragfähig sind oder bis 2045 realistisch skaliert werden können, ohne tiefgreifende staatliche Eingriffe oder strukturelle Marktverwerfungen vorauszusetzen. 

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen das erhebliche wirtschaftliche Potenzial zirkulärer Wertschöpfungssysteme für den Industriestandort Deutschland. So kann sich die zirkuläre Bruttowertschöpfung der betrachteten Industriebranchen bis 2045 auf bis zu 125 Milliarden Euro jährlich mehr als verdoppeln. Insgesamt identifiziert die Studie ein kumuliertes Wertschöpfungspotenzial von bis zu 880 Milliarden Euro. Gleichzeitig wird Circular Economy als wichtiger Hebel zur Verringerung von Rohstoffabhängigkeiten und zur Stabilisierung industrieller Lieferketten bewertet. Darüber hinaus eröffnen neue Geschäftsmodelle in den Bereichen Reuse, Refurbishment, Remanufacturing und Recycling zusätzliche Wachstums- und Ertragspotenziale für Unternehmen. 

Besonders hervorzuheben ist der Textil Deep Dive der Studie. 

Er zeigt, dass Kreislaufwirtschaft im Textilbereich vor allem dann wirtschaftliche Chancen eröffnet, wenn Sammlung, Sortierung, Wiederverwendung und Recycling konsequent zusammengedacht und industriell skaliert werden. 

Die Studie legt dabei einen realistischen Blick auf bestehende Abhängigkeiten, heutige Stoffstromverluste sowie begrenzte Verwertungs- und Recyclingkapazitäten. Unter optimalen Voraussetzungen, also wenn die relevanten Hebel vollständig, koordiniert und tatsächlich wirksam ineinandergreifen, könnte die Bruttowertschöpfung im Textilsegment bis 2045 gegenüber 2023 um 2,2 bis 5,4 Milliarden Euro steigen. Wesentliche Treiber sind höhere Re-Use-Anteile, der Ausbau werkstofflicher Recyclingverfahren sowie leistungsfähige Sammel- und Sortierstrukturen. Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass Verbrennungsanteile um 9 bis 19 Prozentpunkte reduziert werden müssen, um ausreichende Stoffströme für eine wirtschaftlich tragfähige Recyclinginfrastruktur überhaupt verfügbar zu machen und die Rezyklatverfügbarkeit um 340.000 bis 620.000 Tonnen zu steigern. 

Entscheidend ist dabei, dass nicht allein die Produktgestaltung oder regulatorische Anforderungen an Textilien adressiert werden, sondern parallel belastbare Sammel-, Sortier- und Verwertungssysteme entstehen, denn ohne entsprechende Infrastruktur kann auch ein gut recyclingfähiges Produkt nicht im Kreislauf geführt werden. 

Da die Studie als Anlage zu groß für den Versand per E-Mail ist, finden Sie die vollständige Studie direkt zum Download hier

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