Tarifrunde 2025: Dritte Runde der Tarifverhandlungen für die westdeutsche Textil- und Bekleidungsindustrie


Am gestrigen Tage wurden die Tarifverhandlungen für die rund 100 000 Beschäftigten der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie in Ostbevern (NRW) fortgesetzt. Wie bereits in der zweiten Verhandlungsrunde fand im Vorfeld der Verhandlungen eine Kundgebung der IG Metall statt, in der sie nochmals ihre Forderung bekräftigte. Nach Aussagen der Gewerkschaft nahmen ca. 500 Beschäftigte daran teil. 

Die Gespräche verliefen grundsätzlich in einer sachlichen und konstruktiven Atmosphäre. In den Gesprächen betonte die IG Metall nochmals, dass es ihr um die Entlastung der Beschäftigten gehe – sowohl für ihre Tätigkeit als auch für ihr Engagement bei der Gewerkschaft. Man müsse alle Komponenten der Forderung als Gesamtpaket sehen. Hinsichtlich des von den Arbeitgebern bereits am 25. Februar 2025 unterbreiteten Angebots verdeutlichte die IG Metall, dass die Inflation die aktuellen Reallöhne der Beschäftigten unter das Niveau von 2010 gedrückt habe. Dies würden die Arbeitgeber mit ihrem Angebot vom 25. Februar 2025 ignorieren. Allein für 2025 und 2026 rechnen die Wirtschaftsinstitute bereits mit einer Inflationsrate von 2 Prozent. Darüber hinaus seien die Beschäftigten finanziell und gesundheitlich äußerst belastet. Die Altersteilzeit müsse daher fortgeführt werden, wobei sie in dieser Runde die Idee einer Dynamisierung der Altersteilzeit-Quote aufrief. Die Berechnung der Quote solle u. a. an das Durchschnittsalter der Beschäftigten im Unternehmen gekoppelt werden. Ein Mitgliederbonus sei darüber hinaus unerlässlich. Hier wurde auf drei freie Tage verwiesen. 

Die Arbeitgeberseite verdeutlichte erneut die sehr schwierige wirtschaftliche Lage der Branche. Viele Unternehmen stünden mit dem Rücken zur Wand. Daher seien praktikable Öffnungsklauseln, wie von den Arbeitgebern gefordert, von existenzieller Bedeutung. Die Veränderung der Altersteilzeit-Quote lehnte sie ab. Eine entsprechende Änderung sei vor dem Hintergrund des Arbeitskräftemangels nicht nachvollziehbar und würde der aktuellen Lage nicht gerecht. 

Die Arbeitgeberseite hat im Laufe der Gespräche ihr Angebot schließlich weiterentwickelt: 

  • Laufzeit von 28 Monaten (1. März 2025 – 30. Juni 2027)
  • Einmalzahlung von 200,00 €
  • Zum 1. November 2025: Erhöhung der Entgelte um 1,5 Prozent
  • Zum 1. November 2026: Erhöhung der Entgelte um 2 Prozent
  • Praktikable Öffnungsklauseln
  • Fortführung der Altersteilzeit zu den bisherigen Konditionen 

Markus Simon, Verhandlungsführer der Arbeitgeber: „Unsere krisengeschüttelten Unternehmen brauchen Planungssicherheit und eine Tariferhöhung, die sie auch stemmen können. Stattdessen ist die IG Metall in der größten Krise mit der zweithöchsten Forderung seit zwei Jahrzehnten in die Verhandlungen gegangen. Trotz intensiver Gespräche gab es keine ausreichende Bereitschaft der IG Metall, von ihren realitätsfernen Forderungen abzurücken.“ 

Die IG Metall hat nach dem Ende der Verhandlungen darauf verwiesen, dass das weiterentwickelte Angebot der Arbeitgeberseite nicht ausreiche. Sie stünde für ein Reallohn-Minus der Beschäftigten nicht zur Verfügung. Es sei nun ein Entlastungspaket als Antwort auf Preissteigerungen und Arbeitsstress notwendig. Weitere Warnstreiks wurden angekündigt. 

Datum und Ort zur Fortführung der dritten Runde sind noch nicht festgelegt worden. 

Die heutige Pressemitteilung finden Sie in der Anlage. Auf der Kampagnen-Webseite des Gesamtverbandes textil+mode finden Sie sämtliche Informationen zur Tarifrunde 2025: https://textil-mode.de/de/tarifrunde-2025/.