Energiekosten bedrohen Arbeitsplätze


Nach Ansicht der Textil- und Bekleidungsindustrie ist die CO2-Besteuerung überstürzt eingeführt worden. „Das Ziel der Steuer, nämlich die Umstellung auf CO2-neutrale Energieträger, wird in der Industrie nicht erreicht werden können“, sagte der Vizepräsident des Verbandes der Nordwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie, Jan Kettelhack. Er äußerte sich bei einem Besuch der beiden FDP-Bundestagskandidaten Alexander Brockmeier (Steinfurt) und Klaus Kretzer (Münster) in seinem Unternehmen in Rheine. „Wir würden sofort investieren, neue Brenner anschaffen und unsere Produktion auf Wasserstoff umstellen, wenn die Stadtwerke ihn uns liefern könnten“, sagte Kettelhack. Damit sei aber wohl erst in zehn Jahren zu rechnen. Für andere Unternehmen gebe es noch gar keine technischen Lösungen für CO2-neutrale Produktionsprozesse. Da die CO2-Steuer auf Gas aber immer weiter ansteige, seien Produktionsverlagerungen ins Ausland zu befürchten, weil die Energiekosten die Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit kosteten.

Brockmeier teilte die Befürchtung. „Wir laufen Gefahr, dass die Belastungen der Industrie durch EEG-Umlage und CO2-Steuer Arbeitsplätze kosten, dem Klima aber nicht helfen, weil Produktion einfach nur verlagert wird“, sagte der FDP-Politiker. Die Bemühungen von Unternehmern wie Kettelhack, der gerade plane, die Konfektion seiner Bettwäsche aus Osteuropa nach Rheine zurückzuholen, würden damit hintertrieben. Kettelhack hatte die fast 150jährige Firmengeschichte seines Unternehmens geschildert. „Mein Sohn ist gerade ins Unternehmen eingestiegen, wir sind jetzt in fünfter Generation hier und wollen auch hierbleiben“, sagte der Unternehmer. In Rheine produziere man unifarbene Gewebe für Arbeits- und Berufsbekleidung sowie für Bettwäsche für Hotels, Krankenhäuser und Altenheime.  „Bei unseren Produkten kommt es darauf an, dass sie nach 100 Wäschen noch genauso aussehen, wie neu – gerade Hotels wollen sich darauf verlassen können, damit sie die Bettwäsche nicht sortieren müssen, bevor sie sie aufziehen“, sagte Kettelhack.

Die zunehmenden Belastungen des Mittelstands durch Bürokratie und Entwicklungshemmnisse durch starre Strukturen waren ein weiteres Thema. „Wir haben erfahren, dass Textilien in vielen Bereichen helfen können, CO2 oder Geld zu sparen, aber in Deutschland nicht eingesetzt werden, weil sich die bestehenden Möglichkeiten, nur sehr langsam herumsprechen“, sagte Kretzer. Als Beispiel nannte er Straßensanierung mit Hilfe von textilen Gelegen im Unterbau, die deren Nutzungsdauer verdoppeln bis verdreifachen würden. „Diese modernen Sanierungsverfahren sind nur etwa 30% teurer als die konventionellen und rechnen sich daher locker über den gesamten Nutzungszeitraum“ ergänzte Kettelhack

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