CO2-Bepreisung: Textilindustrie fordert Entlastungen


Die Unternehmen der nordwestdeutschen Textilindustrie drängen auf zeitgleiche Entlastungen mit Einführung der CO2-Bepreisung Anfang 2021. „Wenn nicht rechtzeitig vorher klar ist, wie die Mehrbelastungen kompensiert werden sollen, drohen massive Arbeitsplatzverluste“, erklärte der Präsident des Verbandes Nordwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie, Dr. Wilfried Holtgrave. Der Verband vertritt rund 255 Unternehmen mit 28.000 Beschäftigten in Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen und Hamburg [regionale Verteilung siehe unten].

Betroffen seien vor allem die Textilproduzenten, die viel Wärme für die Produktion benötigten, da Wärme am effizientesten mit Gas erzeugt werde, das demnächst unter die CO2-Bepreisung falle „Das sind zum Beispiel die Hersteller von Heimtextilien, wie Bettwäsche, aber auch von technischen Textilien“, sagte Holtgrave. Gerade die technischen Textilien seien aber oft Problemlöser bei der Energiewende, weil sie zum Beispiel die Grundlage für Rotorblätter von Windkraftanlagen bildeten oder leichtere Bauteile von Autos oder Flugzeugen ermöglichten. Die geplante Reduzierung der EEG-Umlage auf Strom helfe den Unternehmen nur wenig. „Unternehmen, die viel Wärme in der Produktion erzeugen, betreiben mit der Abwärme entweder ein Blockheizkraftwerk zur eigenen Stromproduktion oder verbrauchen relativ wenig Strom – in beiden Fällen hilft die Senkung der EEG-Umlage nicht“, sagte der Verbandspräsident.

Zudem sei es für die betroffenen Unternehmen unmöglich, auf CO2-ärmere Produktionsprozesse umzusteigen. „Ein neuer, mit Strom betriebener Spannrahmen würde mehr als zwei Millionen Euro kosten und wäre zudem auch noch unwirtschaftlicher, weil die Wärmeerzeugung mit Strom wesentlich teurer wäre als mit Gas“, sagte Holtgrave.

Holtgrave forderte die Bundesregierung auf, schnellstmöglich zielgerichtet Entlastungen für betroffene Industrieunternehmen auf den Weg zu bringen. Ansonsten drohe die Verlagerung von Produktionen ins Ausland, wo dann kostengünstiger und klimaschädlicher produziert werde.

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