Verband der nordwestdeutschen
Textil- und Bekleidungsindustrie e.V.
Wednesday, 20. September 2017
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Geschichte

Die Anfänge der Textilindustrie reichen bis ins Mittelalter zurück. Vor allem im ländlichen Raum und hier besonders in den Mittelgebirgen, wo es gute klimatische Bedingungen für den Anbau von Hanf und Flachs gab, aber auch Wiesen für die Haltung von Schafen vorhanden waren, waren die Herstellung von Leinen sowie das Spinnen und Weben eine wichtige Einnahmequelle für die Bauern.

Im 18. Jahrhundert stieg die Nachfrage nach Textilien mit zunehmender Bevölkerung stark an. So entwickelte sich zunächst das Verlagssystem, bei dem ein Verleger das Rohmaterial ankaufte, es gegen Lohn verspinnen und weben ließ und dann schließlich das fertige Produkt vertrieb. Die Spinner und Weber kamen fast ausschließlich aus den ländlichen Unterschichten. Oft musste die ganze Familie durch ihre Arbeit das Einkommen sichern.

Im 18.Jahrhundert wurden zunächst Spinnmaschinen und schließlich mechanische Webstühle entwickelt. Die Folge war die Verlagerung der Produktion in große Fabriken mit vielen Spinnmaschinen und Webstühlen. Kaufleute und Verleger investierten ihr Kapital in Fabriken mit neuen Maschinen. Die bisherige Handarbeit wurde durch die maschinelle Produktion verdrängt, zahlreiche Weber und Spinner verloren ihre Erwerbsgrundlage.

Begünstigt durch die Hollandgänger, die auch mit Leinen handelten, entstand im westlichen Münsterland eines der größten Zentren der deutschen und europäischen Textilindustrie. Darüber hinaus gab es Schwerpunkte der Textilindustrie in nahezu allen deutschen Mittelgebirgen. Dabei ersetzte die Textilindustrie oft rückläufige Wirtschaftsbereiche wie den Bergbau.

Im Umfeld der Betriebe der Textilindustrie entstanden Zulieferindustrien, in denen Dampfmaschinen und Antriebe für Spinnereien und Webereien produziert wurden. Der Aufstieg von Textilien zum wichtigsten Konsumgut neben Nahrungs- und Genussmitteln brachte zudem die Entstehung weiterer Industrien mit sich wie die Herstellung von Waschmaschinen.

In der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts wurde die britische Textilindustrie zur Hauptkonkurrenz für die Betriebe auf dem europäischen Festland. Durch die von der britischen Insel ausgehende Mechanisierung des Web- und Spinnvorgangs sowie durch die Verdrängung von Leinen und Wolle durch Baumwolle verlor die Textilindustrie in den Mittelgebirgen zunehmend an Bedeutung. Folge war unter anderem der Weberaufstand. Die Bedeutung der baumwollverarbeitenden Industrie im deutsch-niederländischen Grenzgebiet wuchs hingegen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich zunächst das Ruhrgebiet zu einem bedeutenden Standort für die Bekleidungsindustrie, da unter den Flüchtlingen und Vertriebenen etliche Unternehmer aus den ehemaligen Zentren der deutschen Bekleidungsindustrie rund um Breslau und den Osten Berlins ins Ruhrgebiet gekommen waren. Sie eröffneten neue Betriebe, die aufgrund der Rohstoffknappheit zunächst vor allem alte Kleidung und Textilien umarbeiteten, bevor sie der Textil- und Bekleidungsindustrie zu einem kurzzeitigen Boom verhalfen. Seit Beginn der 60er Jahre ist die Industrie jedoch durch einen anhaltenden Schrumpfungsprozess aufgrund der zunehmenden Konkurrenz durch Fernost gekennzeichnet. 

Allerdings zeichnet sich die Branche durch eine hohe Innovationsfähigkeit aus. Viele Unternehmen produzieren heute für zukunftsträchtige Bereiche wie Umwelttechnik oder Medizintechnik. Deutsche Textilunternehmen sind führend im Bereich der Kohlenfaserverbundstoffe, der Geotextiliene oder der Textilien mit Zusatzfunktionen wie sie beispielsweise bei der Schutzkleidung benötigt werden. Deutsche Bekleidungshersteller stehen nach wie vor für auch international bekannte Marken.

  

©Verband der Nordwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie, 2014